Friedensgedichte

Gedichtssammlung


Friedensgedicht, Autor: Ursula Wulf, 2004

Friede zu haben bedeutet nicht nur keinen Krieg.
Friede ist auch nicht gegeben nach einem Sieg.
Friede - als innere und äußere Harmonie -
schufen wir Menschen auf unserer Welt noch nie!

Tod und Verderben liegt auf der Menschheitsgeschichte.
Schwer sind auch in der Gegenwart Gottes Gerichte.
Der Mensch will herrschen aus eig'ner Macht und Verstand -
doch Frieden? War nicht immer Unfrieden im Land?

Die Regierung bietet der Gesetzlosigkeit Halt.
Gott gab ihr dazu Schwert und Gewalt.
Politische Macht soll gegen das Böse kämpfen;
sie vermag aber nur die Gefahren zu dämpfen.

Da die Welt - von Gott getrennt - im Unglauben verharrt,
hat sich die Macht des Bösen mehr und mehr offenbart.
Alles Suchen nach Frieden und Einigkeit
scheitert an der Gottlosigkeit unserer Zeit.

"Meinen Frieden gebe ich euch", so Jesus spricht.
"Sucht ihn nicht in der Welt, dort ist er nicht."
Nur bei IHM ist Ruhe und Geborgenheit
mitten im Sturm und im Schrecken der Zeit.

Mitten im Leid bleibt Friede und Hoffnung bestehn,
Glaubensaugen haben die Herrlichkeit Gottes gesehn.
Wahrer Friede ist Licht in der Dunkelheit der Welt,
weil er sich mit Liebe dem Bösen entgegenstellt.

Darum, Friede bedeutet: in der Liebe ruhn.
Friede hat nichts mit den Kämpfen dieser Welt zu tun.
Friede, als innere und äußere Harmonie,
findest du im Glauben an Jesus - und anderswo nie!


Vereinigung »Souvenir Normand«

O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens,
daß ich Liebe übe, wo man haßt,
daß ich verzeihe, wo man mich beleidigt,
daß ich verbinde, wo Streit ist,
daß ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
daß ich Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
daß ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, laß mich trachten,
nicht, daß ich getröstet werde,
sondern daß ich tröste,
nicht, daß ich verstanden werde,
sondern daß ich verstehe,
nicht daß ich geliebt werde,
sondern daß ich liebe.

Denn wer da hingibt, der empfängt,
wer sich selbst vergißt, der findet,
wer vergibt, dem wird verziehen,
und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben.

Gebet veröffentlicht von der Vereinigung »Souvenir Normand«, 1912; fälschlich Franz von Assisi zugeschrieben


Dr. Carl Peter Fröhling

Solange Menschen
auf der Erde leben,
stand der Friede in den Sternen.
Wann wird endlich jene Stunde kommen,
daß die Nationen alle
ihre Leitern an die Sterne legen
und den Frieden uns herunterholen,
daß in Hütten und Palästen
gleicherweise Glück und Freude wohne,
daß in jedem Menschenherzen
jenes Sternenlicht für immer throne.

© Dr. Carl Peter Fröhling (*1933), deutscher Germanist, Philosoph und Aphoristiker


Franz Grillparzer

Eines ist nur Glück hienieden,
Eins: des Innern stiller Frieden.
Und die schuldbefreite Brust!
Und die Größe ist gefährlich,
Und der Ruhm ein leeres Spiel;
Was er gibt, sind nicht'ge Schatten;
Was er nimmt, es ist so viel!

Franz Grillparzer
(1791 - 1872), Wiener Hofkonzipist und Burgtheaterdichter
Quelle: Grillparzer, Der Traum ein Leben, 1840


Karl Wilhelm Ramler

An den Frieden

Wo bist du hingeflohn, geliebter Friede?
Gen Himmel, in dein mütterliches Land?
Hast du dich, ihrer Ungerechtigkeiten müde,
Ganz von der Erde weggewandt?

Wohnst du nicht noch auf einer von den Fluren
Des Oceans, in Klippen tief versteckt,
Wohin kein Wuchrer, keine Missethäter fuhren,
Die kein Eroberer entdeckt?

Nicht, wo mit Wüsten rings umher bewehret,
Der Wilde sich in deinem Himmel dünkt?
Sich ruhig von den Früchten seines Palmbaums nähret?
Vom Safte seines Palmbaums trinkt?

O! wo du wohnst, laß endlich dich erbitten:
Komm wieder, wo dein süßer Feldgesang,
Auf heerdenvollen Hügeln und aus Weinbeerhütten
Und unter Kornaltären klang.

Sieh diese Schäfersitze, deine Freude,
Wie Städte lang, wie Rosengärten schön,
Nun sparsam, nun wie Bäumchen auf verbrannter Heide,
Wie Gras auf öden Mauern stehn.

Die Winzerinnen halten nicht mehr Tänze;
Die jüngst verlobte Garbenbinderin
Trägt, ohne Saitenspiel und Lieder, ihre Kränze
Zum Dankaltare weinend hin.

Denn ach! der Krieg verwüstet Saat und Reben
Und Korn und Most; vertilget Frucht und Stamm;
Erwürgt die frommen Mütter, die die Milch uns geben,
Erwürgt das kleine fromme Lamm.

Mit unsern Rossen fährt er Donnerwagen,
Mit unsern Sicheln mäht er Menschen ab;
Den Vater hat er jüngst, er hat den Mann erschlagen,
Nun fodert er den Knaben ab.

Erbarme dich des langen Jammers! rette
Von deinem Volk den armen Überrest!
Bind' an der Hölle Thor mit siebenfacher Kette
Auf ewig den Verderber fest.

Karl Wilhelm Ramler - (1725 - 1798), deutscher Lyriker, Übersetzer und und klassizistischer Rhetoriker


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